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Bücher

Rezension | Nena Tramountani – Play & Pretend

Play & Pretend
Rezensionsexemplar  
Triggerwarnung
Essstörung, bipolare Störung, (manische) Depression, Suizidversuch, Verlust von nahestehenden Angehörigen durch Krebserkrankung

Briony & Sebastian: Sie fühlt sich in ihrem Leben wie eine Statistin. Doch für ihn spielt sie die Hauptrolle…
Auf der Bühne kann Briony alles sein, was sie im echten Leben nicht ist. Die Schauspiel-Studentin liebt es, in fremde Rollen zu schlüpfen, doch kaum jemand kennt den wahren Grund dafür. Nur ihr attraktiver Schauspielkollege Sebastian versucht hartnäckig herauszufinden, was sie im Rampenlicht vergessen will. Ausgerechnet mit ihm muss sie sich auf die Hauptrollen eines Theaterstücks vorbereiten. Der Gedanke, dass sie darin das Liebespaar spielen sollen, lässt Brionys Herz höher schlagen. Sie will sich nicht eingestehen, dass sie Sebastians Nähe genießt – denn gleichzeitig macht er ihr Angst. Besonders in den Momenten, wenn sich sein Blick plötzlich verdunkelt und Briony ahnt, dass sie nicht als Einzige ein Geheimnis verbirgt…

– Penguin Verlag

 

GEDANKEN ZU „PLAY & PRETEND“

Nachdem ich schon FLY & FORGET sowie TRY & TRUST verschlungen habe, war klar, dass ich auch den Abschlussband der Soho-Love-Reihe, PLAY & PRETEND, lesen werde. Auch auf dieses Buch war ich sehr gespannt, denn Briony stand in den vorherigen zwei Teilen nie so sehr im Mittelpunkt. Sie gehört zwar zu WG dazu, aber für mich war sie nie richtig präsent.

Briony kam mir immer wie das emotionale Nervenbündel vor, dem man lieber nicht zu viel zutrauen sollte. In PLAY & PRETEND wird sie endlich greifbarer und ein sympathischer Charakter. In TRY & TRUST bekommt man schon ein paar kleine Andeutungen darauf, was Brionys Hintergrundgeschichte ist, aber hier erfahren wir das ganze Ausmaß dessen, was Briony erlebt hat. Als Leser:in wird man nicht von ihren knallharten Gedankengängen verschont und trotzdem schafft die Autorin es, einem den Charakter Briony mit der nötigen Sensibilität näher zu bringen, sodass ihre Beweggründe und Motive klar nachvollziehbar sind. Ich habe zwar nicht das gleiche Problem wie Briony, aber ich habe mich von ihren Gedankengängen her selten so in einem Buchcharakter wiedergefunden wie hier, auch wenn es bei mir nicht so ein Ausmaß annimmt oder je angenommen hat.

 

Wir sahen das, was die anderen uns sehen lassen wollten. Und wir waren blind für die kleinen Hinweise, weil wir viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt waren. – S. 434

 

Während von den weiblichen Protagonistinnen Matilda immer noch mein unangefochtener Liebling ist, hat sich bei den männlichen Charakteren Sebastian den 1. Platz erkämpft. Er versprüht so viel gute Laune, ist ein Charakter, in den man sich ebenfalls sehr gut hineinversetzen kann und der mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Doch auch bei ihm ist nicht alles die heile Welt, er ist nicht das problemfreie und perfekte Gegenstück zu Briony, sondern hat ebenfalls einen gewissen… nennen wir es Background, um jetzt niemanden zu spoilern. Doch auch seine Beweggründe sind immer klar nachvollziehbar. Bei beiden Protagonisten hat mich vor allem ihre Stärke und die Selbstreflexion stark beeindruckt, die man in dieser Form auch nicht so oft findet.

Dadurch, dass beide Protagonisten in PLAY & PRETEND so sehr geprägt sind, geht das Buch sehr in die Tiefe. Nena Tramountani hat diese beide Themen sehr gut ausgearbeitet und gut reflektiert in die Handlung eingefügt. Dabei hat sie es trotzdem geschafft, dass man von diesen Themen nicht erdrückt wird. Die Autorin schreibt, wie auch in den vorherigen zwei Bänden, aus beiden Sichten. Dadurch wurden nicht nur Briony und Sebastian für mich greifbar, sondern auch ihre Beziehung, ihre Entwicklung, die Hindernisse die auftreten und wie sie diese überwinden. Allerdings hat es bei mir sehr lange gedauert, bis ich diesen Funken zwischen Briony und Sebastian gemerkt habe. Es war klar, dass da irgendeine besondere Verbindung zwischen den beiden ist, aber ich habe sie nicht wie in den anderen beiden Büchern direkt gespürt, sondern erst später.

Um die Geschichte von Briony und Sebastian herum, baut die Autorin eine spannende und tolle Story rund um die Schauspielerei und Shakespeares Stück „Sommernachtstraum“. Beides fügt sich perfekt in die Handlung ein und scheint gut ausgearbeitet, sodass man hier auch noch ein paar neue Dinge lernen kann. Der lockere Schreibstil von Nena Tramountani fesselte mich an die Seite und ich konnte das Buch kaum weglegen, gleichzeitig berührt die Autorin auch hier wieder mit ihren Worten. Lediglich zum Ende hätte ich mir dieses Mal vielleicht noch einen Epilog gewünscht. Es geht gar nicht so sehr um die Handlung an sich, sondern mich hätte noch interessiert, wie die zwei denn nun in ihrem Alltag mit ihren Hintergründen zurechtkommen. Nichtsdestotrotz hat die Autorin die Handlung logisch und gut zu Ende geführt.

 

KURZ & KNAPP

Der Abschluss der Soho-Love-Reihe muss sich vor den zwei anderen Büchern nicht verstecken. In PLAY & PRETEND finden wir erneut authentische und gut ausgearbeitete Charaktere, viel Tiefgang, aber auch ein bisschen was zum Lachen. Besonders Sebastian hat mein Herz erobert und alleine für ihn lohnt sich dieses Buch, aber auch Briony wird endlich zu einer greifbaren Protagonistin. Ein gelungener Reihenabschluss.

Insgesamt
4.5
  • Story & Umsetzung
  • Charaktere
  • Schreibstil
  • Spannung

Bibliografie
Penguin Verlag – ET: Juli 2021 – 464 Seiten – Band 3 – Klappenbroschur – 12,00 EUR
 
Soho-Love-Reihe (unabhängig voneinander lesbar)
Band 1: Fly & Forget
Band 2: Try & Trust
Band 3: Play & Pretend

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