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Bücher

Rezension | Daniela Hartig – Fuck you, Love | Band 1

Fuck you Love
Triggerwarngung
Vergewaltigung, Suizidversuch, Alkohol- und Drogenmissbrauch, körperliche Gewalt

Floyd van Berg steht auf der Sonnenseite des Lebens. Er sieht umwerfend aus und hat genug Geld in der Tasche, um sich keine Sorgen machen zu müssen. Wen interessiert es da schon, dass hinter seiner schönen Fassade Dämonen lauern, die ihm den Schlaf rauben? Besonders nach dieser einen Nacht, in der etwas geschehen sein muss, das Floyd gefährlich werden kann. Etwas, das ihn zerstören kann, wenn es an die Oberfläche gelangt. Als er auf Storm trifft, das Mädchen, das der Schlüssel zu dem katastrophalen Ereignis zu sein scheint, gerät sein Leben ins Wanken. Will er zulassen, dass Storm an seiner perfekten Fassade kratzt? Will er wissen, was in jener Nacht wirklich geschehen ist? Und will er erfahren, was Liebe tatsächlich bedeutet?

– Federherz Verlag

 

GEDANKEN ZU „FUCK YOU, LOVE“

FUCK YOU, LOVE behandelt harte Themen. Bereits der Prolog macht deutlich, dass man hier nicht verschont wird und dieses Buch keine leichte Kost wird. Am Ende bin ich etwas zwiegespalten, was das Buch angeht – es war einerseits erfrischend anders, andererseits auch total abgedreht und verrückt. Und das nicht unbedingt immer auf eine positive Art.

Die Charaktere und Grundstory sind zunächst sehr klischeehaft. Er, der verwöhnte Junge aus gutem Hause, der mehr hat als er braucht und sich durch die Frauenbetten der Stadt schläft. Sie, die arme Kirchenmaus, die auf mehreren Ebenen ums Überleben kämpft. Aber im Verlauf wird es gar nicht mehr so typisch New Adult. Durch Storm lernt Floyd, was Bescheidenheit und Wertschätzung bedeutet und es zeigt sich, dass er ein gutes Herz hat.

 

Im Grunde hast du ein gutes Herz, du weißt nur nicht, wie man es benutzt – S. 193

 

Storm dagegen macht es nicht nur Floyd schwer, sondern auch mir. Es gab ein paar Momente, da mochte ich sie, da konnte man hinter ihre Fassade blicken. Die meiste Zeit war sie jedoch anstrengend und sie ging mir fast bis zum Schluss auf die Nerven. Ja, die Autorin hat Storm ein hartes Leben verpasst, aber oft wirkte ihr „Assi-sein“ schon zu gewollt und ich konnte ihre Reaktionen und Handlungen selten nachvollziehen. Storm ist von allem viel zu viel und ihr wahres Ich lernt man nicht wirklich kennen.

Ebenfalls nicht überzeugen konnten mich die Nebencharaktere. Ja, sie sind dazu da, um die Handlung voranzubringen, denn wie langweilig wäre es bitte, wenn eine Welt nur aus zwei Protagonisten bestehen würde? Hier waren die ihnen zugeschriebenen Rollen und der damit einhergehende Handlungsverlauf aber viel zu offensichtlich. Besonders Ben, Floyds Kumpel, ist einer der unausstehlichsten, nervigsten und überflüssigsten Nebencharaktere, denen ich jemals begegnet bin.

 

Ich war mein Leben lang zu schnell unterwegs. Wie ein rollender Güterzug, unaufhaltsam, ohne Pause. Ruhelos und rastlos. Um die Frage zu verdrängen, ob mich meine Eltern jemals gewollt haben. Ob sie mich lieben, so wie ich bin. Storm zeigt mir, dass ich noch etwas anderes kann als Geld ausgeben und Frauen flachlegen. Sie reißt mir die Maske herunter. Sie glotzt mir schamlos in die Karten und grinst. Sie löscht das Feuer, das mich ausbrennt. Ich brauche sie. Sonst verrecke ich. – S. 280

 

FUCK YOU, LOVE wird komplett aus der Sicht von Floyd erzählt, was eine wahre Erfrischung ist, denn sonst erzählt immer nur die Frau oder beide. Aber Floyds Sicht war gut umgesetzt und ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen. Einige Szenen und Beschreibungen waren teils zu ausführlich, aber durch die damit verbundenen Gedankengänge von Floyd wird er ein greifbarer Charakter, den ich im Verlauf zu mögen begann. Der Schreibstil ist sehr derb mit vielen Flüchen und Kraftausdrücken. Prinzipiell macht mir das nichts aus, aber auch hier kommt es immer auf das Verhältnis an und manchmal war das Maß einfach voll.

Das Buch grenzt an eine reine Achterbahnfahrt. Es gibt einiges zum Lachen, vieles zum Leiden, die kleinen Momente, in denen sich Floyd und Storm näher kommen, aber auch genauso viele Streitigkeiten und Dramen. Besonders Letzteres gab es viel. In der ersten Hälfte reiht sich ein Streit an den anderen, während es in der zweiten Hälfte etwas harmonischer zugeht und die Handlung nicht mehr so ins Stocken geriet. Dennoch gab es einen guten Spannungsbogen. Das Ende war in dieser Form abzusehen, war aber gerade durch Floyds Handlung am Schluss doch sehr eindrucksvoll – wenn auch ein fieser Cliffhanger.

 

KURZ & KNAPP

Ich schätze, an dieser Stelle kann ich weder eine klare Empfehlung noch eine klare Nicht-Empfehlung geben. FUCK YOU, LOVE ist anders, aber ich denke, nicht jede:r wird mit den Themen und der Umsetzung in eine Liebesgeschichte etwas anfangen können. Zusätzlich macht es Storm einem sehr schwer, da sind nicht unbedingt eine Sympathieträgerin ist. Trotzdem war das Buch besonders in der zweiten Hälfte sehr spannend, es wird nicht mehr so viel gestritten und man kann langsam wirklich was von dieser zarten Liebesgeschichte erahnen. Auch die Entwicklung die vor allem Floyd macht, trug sein Übriges bei. Ich persönlich mochte das Buch am Ende, aber würde anderen Leser:innen empfehlen, sich noch zwei, drei andere Meinungen einzuholen, falls man nicht sicher ist, ob das Buch etwas für einen ist.

Insgesamt
3.5
  • Story & Umsetzung
  • Charaktere
  • Schreibstil
  • Spannung

 
Bibliografie
Federherz Verlag – ET: Juni 2018 – 404 Seiten – Band 1 – eBook: 2,99 EUR – Taschenbuch: 14,90 EUR

Fuck you Reihe:
Band 1: Fuck you, Love
Band 2: Fuck you, Hope
Band 3: Fuck you, Dreams

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