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Rezension | Veronica Roth – Die Erwählten. Tödliche Bestimmung | Band 1

Die Erwählten. Tödliche Bestimmung
Rezensionsexemplar
Triggerwarnung
PTBS

Sloane, Matt, Esther, Ines und Albie – sie wurden auserwählt, die Welt vor einer übernatürlichen Macht zu retten. Und tatsächlich gelingt es den Erwählten, nach einem Kampf, der ihnen alles abverlangt, den mächtigen dunklen Feind zu besiegen. Sie werden als Helden gefeiert, doch die seelischen Wunden, die sie während des Kampfes erlitten haben, sind tief.
Am 10. Jahrestag ihres Sieges geschieht das Unfassbare: Einer von ihnen stirbt auf tragische Weise, die anderen werden in eine alternative Welt katapultiert. Diese ist der ihren sehr ähnlich, nur, dass die Magie dort allgegenwärtig ist. Sie finden heraus, dass sie die dunkle Macht keineswegs besiegt haben. Wieder müssen sie kämpfen, doch dieses Mal machen sie eine Entdeckung, die alles, was sie zu wissen glaubten, infrage stellt.

– Penhaligon Verlag
 

GEDANKEN ZU „DIE ERWÄHLTEN. TÖDLICHE BESTIMMUNG“

Ich war vor vielen Jahren ein großer Fan der Reihe DIE BESTIMMUNG, also zumindest von Teil 1. Band 2 und 3 konnten mich damals nicht mehr überzeugen. Dennoch war ich sehr gespannt, was Veronica Roth in ihrem Fantasy-Debüt für Erwachsene vorhat. So viel sei schon mal gesagt: DIE ERWÄHLTEN. TÖDLICHE BESTIMMUNG ist zwar eher ein mittelmäßiger Reihenauftakt, der aber trotzdem auch Interessantes verspricht.

 

Was, wenn das Böse besiegt ist?

Im Gegensatz zu sonstigen Büchern ist der Kampf hier schon lange vorbei und zu Beginn beschäftigt sich die Autorin damit, was mit den Auserwählten passiert, die ihre Mission, für die sie erwählt wurden, erfüllt und das Böse besiegt haben. Wenn sie in das „normale“ Leben zurückkehren müssen. Die Psychologie dahinter war sehr spannend, da z. B. Erzählerin Sloane auch nach 10 Jahren noch psychische Probleme hat. Besonders an ihr werden diese Auswirkungen sehr gut durch die Autorin verdeutlicht. Diesen psychologischen Teil und die Darstellung der Auswirkungen mochte ich sehr an dem Buch. Aber natürlich kann man daraus keine spannende Story machen, so zumindest scheinbar die Ansicht der Autorin, denn erneut müssen Sloane und ihre Freunde gegen eine dunkle Macht in einem Paralleluniversum antreten.

 

Eine Welt voller Magie

Dort ist Magie allgegenwärtig, aber nicht so Harry Potter-like über Zauberstäbe. Veronica Roth hat hier Magie in eine Wissenschaft verwandelt, darauf ihr Paralleluniversum konstruiert und eine Welt voller Geheimnisse geschaffen. Ich mochte diese Welt sehr. Zwar ist sie auch sehr komplex, aber dafür auch gut ausgearbeitet. Ich bin sonst keine große Fantasyleserin, weswegen ich auch für die Elemente und Kreativität hinter dieser Welt leicht zu begeistern bin.

 

Sloane blieb stehen, schloss für einen Moment die Augen und stellte sich vor, sie wäre zu Hause in der Bibliothek am Ende ihrer Straße. Bücher rochen überall gleich, ganz egal, in welcher Dimension man sich befand. – S. 226

 

Die Geschichte ist eher eine langsame, auch wenn Sloane & Co. nochmals gegen das Böse antreten müssen, dauert es, bis richtig Fahrt reinkommt. Hier ist wirklich sehr viel Geduld gefragt, denn ich empfand erst das letzte Drittel wirklich als actionreich. Vielleicht liegt es aber auch an mir, denn manchmal habe einfach nur ich keine Geduld für einen langsamen Handlungsaufbau. Trotz des langsamen Erzählstils übte das Buch trotzdem eine gewisse Faszination auf mich aus, weil ich dennoch den Drang verspürte, wissen zu wollen, was passiert. Besonders spannend fand ich, dass einem sowohl die Vergangenheit als auch die Welt der Magie über Zeitungsartikel, Geheimdienstbericht etc. nähergebracht wurde.

 

Erwachsene Charaktere die sich wie Teenager benehmen

DIE ERWÄHLTEN. TÖDLICHE BESTIMMUNG wird als Erwachsenenroman vermarket, aber anhand der Charaktere lässt sich dies schwer glauben. Erzählerin Sloane benimmt sich eher wie ein mürrischer, verärgerter Teenager, statt wie eine erwachsene Frau Ende 20. Generell war es für mich sehr schwierig, die Erwählten als Menschen um die 30 zu betrachten, da ihre Entscheidungen, Dialoge etc. eher einer/einem 16-Jährige*n glichen. Vielleicht liegt das Verhalten an den nicht überwundenen Traumata, einer immer noch jugendlichen Emotionalität oder einfach an der quasi nicht vorhandenen Kindheit. Hätte die Autorin versucht mir die Charaktere als zehn Jahre jünger zu verkaufen, hätte ich es ihr abgenommen.

Aber, und das wiederum fand ich großartig: Sloane ist eine Heldin, die einem zunächst widerstrebt, die zu Beginn egoistisch und gleichzeitig geheimnisvoll ist. Sie stellt eine Art moralische Grauzone dar, und spiegelt diese unsichtbare Grenze wider, zwischen dem was eine Heldin ist und was einen in den Bösewicht verwandelt. Viele werden ihre Probleme mit Sloane haben, aber für mich passte sie sehr gut in die Story.

 

Ein paar weitere Schwächen des Buches

Es gab noch ein paar weitere Dinge, die ich sehr fragwürdig fand und was letztlich auch leider dazu führte, dass ich Buch nur so mittelmäßig fand. Zum einen rücken durch Sloanes Erzählperspektive die anderen in den Hintergrund. Gerade die anderen Erwählten sehen neben Sloane einfach blass und nicht genug ausgearbeitet aus. Ich hoffe, die Autorin geht da in den Folgebänden unter die Oberfläche.

Ab hier Spoiler!

Dann war es die Lovestory zwischen Sloane und Matt. Wirklich, man kauft es der Autorin nicht ab, dass zu irgendeinem Zeitpunkt auch nur ein Funken Anziehung, Leidenschaft oder sonst was vorhanden war. Selbst zu Mox, den Sloane im Paralleluniversum kennenlernt, spürt man sofort mehr Funken.

Schließlich die Sache mit Ines, eine weitere Erwählte. Warum wurde sie in der realen Welt zurückgelassen und kämpft nicht mit den anderen zusammen im Paralleluniversum? Ihre Figur hat dadurch zumindest in diesem Teil an jeglicher Bedeutung verloren.

 

KURZ & KNAPP – ZWISCHENDURCHLEKTÜRE

DIE ERWÄHLTEN. TÖDLICHE BESTIMMUNG ist ein solider Auftaktband von Veronica Roths Erwachsenen-Fantasyreihe. Es gab einige Schwächen in dieser Story und aufgrund des eher langsamen Erzähltempos ist viel Geduld gefragt. Dennoch übte das Buch eine gewisse Faszination auf mich aus, die mich weiterlesen lies. Erzählerin Sloane war ein schwieriger Charakter, passte aber gut in die Handlung und die von der Autorin sehr gut konstruierten Welt. Erfahrungsgemäß legt Veronica Roth aber immer ganz gute erste Auftaktbände hin, an den Fortsetzungen scheiterte sie bisher bei mir. Ich bin aber sehr gespannt, was die Autorin für ihre Erwählten noch geplant hat.

Insgesamt
3.3
  • Story
  • Charaktere
  • Schreibstil
  • Spannung

Bibliografie
Penhaligon Verlag – ET: September 2020 – 576 Seiten – Band 1 – Hardcover – 18,00 EUR
Originaltitel: Chosen Ones – übersetzt von Petra Koob-Pawis

2 thoughts on “Rezension | Veronica Roth – Die Erwählten. Tödliche Bestimmung | Band 1

  1. Hi Ela,

    ich habe schon die ein oder andere Rezension zu diesem Buch gelesen und ich glaube, einige sehen es mit dem „ruhigen“ Ablauf bzw., dass es sich ein zieht, genauso wie du.
    Ebenso, dass die Charaktere jünger wirken als sie eigentlich sind.
    Mich interessiert die Idee, Helden wieder aufleben zu lassen, obwohl 10 Jahre vergangen sind.
    Doch bis jetzt konnte ich mich nicht durchringen und lese immer mal wieder eine Rezension, um vielleicht doch noch umzuschwenken.
    Daher ertsmal danke für deine Einschätzung.

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Hallo Tina,
      ja, es ist wirklich etwas schwierig mit diesem Buch. Ich mochte diese Idee, dass man sieht, was halt mit den Helden danach passiert und dass alles gar nicht so Happy Ending sein muss.
      Aber naja, die Umsetzung war echt nur so mittelmäßig.

      Vielleicht findest du das Buch ja irgendwo gebraucht oder so, ich finde dann kann tut es nicht ganz so weh, wenn man es dann doch abbricht oder so 🙂

      Liebe Grüße und schon mal einen guten Start ins neue Jahr 🙂
      Ela

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