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Bücher, Jugendbücher

Rezension | Laura Steven – Bitches bite back

Bitches bite back
Triggerwarnung
Racheporno, Slut Shaming, Rassismus, Geldprobleme/Leben an der Armutsgrenze

Es ist zwei Monate her, dass ein explizites Foto von Izzy in einen politischen Sex-Skandal verwickelt war – und das Nachbeben ist noch lange nicht vorbei. Die Bewegung Bitches bite back nimmt als Forum für junge Feministinnen an Fahrt auf, und als schon wieder ein Mädchen wegen eines geleakten Tapes öffentlich gedemütigt wird, weiß Izzy, es muss sich etwas ändern. Und zwar am amerikanischen Gesetz! Doch noch steckt ihr ihr eigener Shitstorm in den Knochen – sie fühlt sich unglaublich wütend und fragt sich: Können sie und ihre Freundinnen wirklich etwas bewirken?

– Droemer Knaur Verlag


 

GEDANKEN ZU „BITCHES BITE BACK“

BITCHES BITE BACK war seit langem mal wieder ein reiner Spontankauf in der Buchhandlung – einfach, weil schon der Titel direkt meine Aufmerksamkeit hatte. Aber auch der Inhalt kann überzeugen.

Die 18-jährige Izzy ist eine starke und mutige Protagonistin, die für sich und andere einsteht und versucht, etwas zu bewegen. Die Ereignisse aus Band 1 dürften sie verändert haben, dennoch leistet sie hier mit ihren Freundinnen großartiges und stellt sich erneut dem Thema Racheporno. Izzy ist vorlaut, sarkastisch und trieft nur so vor Selbstironie. Ich liebe sie wirklich und ihre Energie ist extrem ansteckend. Allerdings war sie mir teilweise auch einfach schon wieder zu aufgedreht, manchmal hätte ich mir wirklich gewünscht, dass es etwas langsamer zugeht. Dennoch habe ich Izzy sehr in mein Herz geschlossen.

Ebenso sympathisch sind Izzys Freundinnen Meg und Ajita. Ich mochte die dynamische Beziehung der drei wirklich sehr, beide bringen sowohl (noch mehr) Humor als auch Ernsthaftigkeit in die Sache. Sie stehen Izzy zur Seite, merken, wenn etwas nicht stimmt und drängen sie zu nichts. Am Ende haben sich die drei wirklich super ergänzt. Es gibt noch eine Reihe anderer Charaktere – Izzys unglaublich coole Oma Betty, Carson, Zachary, Danny… Die meisten sind sympathisch, verständlich ausgearbeitet und fügen sich nahtlos in die Geschichte ein.

 

Es geht um die Welt oder mich. Und ich schäme mich, zuzugeben, dass die Wahl mir schwerer fällt, als sie eigentlich sollte. Denn auch wenn jeder sich gern als jemand sieht, der die Welt verändert, ist die Realität doch so viel härter. Es geht um Opfer und Märtyrertum. Es erfordert die Verleugnung des Selbsterhaltungstriebs, der so tief in einem verwurzelt ist, dass man ihn unmöglich entfernen kann.

 

Laura Steven greift in BITCHES BITE BACK viele problematische Themen auf – der Fokus liegt zwar auf dem Thema Racheporno aber auch Themen wie Rassismus, Geldprobleme, Sexualität, Unsicherheiten oder toxische Männlichkeit spielen eine Rolle. Wie gesagt – Izzy ist vorlaut und sarkastisch, dadurch gibt es eigentlich immer etwas zu lachen und das über die kompletten 336 Seiten hinweg. Dennoch schafft die Autorin es, diese Themen mit der nötigen Ernsthaftigkeit in die Handlung zu integrieren, sodass es nicht ins Lächerliche gezogen wird, sondern die Wichtigkeit sehr deutlich wird. Die Story selbst liest sich wie eine Art Tagebuch von Izzy. Natürlich ist eine Handlung vorhanden, aber es fühlte sich nicht krampfhaft oder gezwungen an, sondern eher wie etwas, dass tatsächlich jeden Tag irgendwo auf der Welt passieren könnte. Ein bisschen störte mich allerdings die ständig in Klammern geschriebenen Gedanken von Izzy. Es ist schwer zu erklären, aber Izzy als Ich-Erzählen ist gerade in irgendeiner Szene, denkt oder macht irgendwas und dann kommen in Klammern häufig irgendwelche „Nebengedanken“ dazu. Irgendwie hat das meinen Lesefluss gestört.

Übrigens: Ich habe den Vorgängerband SPEAK UP nicht gelesen. BITCHES BITE BACK funktioniert aber auch gut ohne den Vorgängerband, da einem zu Beginn ein Rückblick auf Band 1 gegeben wird und es zudem zwischendurch immer wieder ein paar Erinnerungsszenen von Izzy gibt. Aber: Ich schätze in Bezug auf Izzys Charakter hat mir Band 1 dann doch etwas gefehlt. Zwar hat Izzy hier einige nachdenkliche Szenen, in denen sie die Situation und Konsequenzen ihres eigenen veröffentlichen Nacktbildes reflektiert, aber wie es Izzy so richtig mit der Situation ging, erfährt man hier kaum. Ja, es ist auch nicht der Fokus dieses Buches, aber trotzdem hatte ich zwischendurch immer wieder das Gefühl, mir fehlt dadurch ein bisschen was von Izzys Persönlichkeit und wie die Sache sie verändert hat. Trotzdem, ist dieses Buch sehr gut umgesetzt und kann auch ohne SPEAK UP gelesen werden.

 

KURZ & KNAPP

BITCHES BITE BACK ist schamlos und direkt, kennt absolut keine Grenzen und zeigt doch auf sehr authentische und grandiose Weise, wie Veränderungen möglich sind – auch wenn sie zunächst unerreichbar erscheinen und viele Hindernisse im Weg stehen. Ich mochte Izzy (auch wenn sie mir manchmal zu aufgedreht war) und das, wofür sie steht. Die aufgegriffenen Themen sind sehr wichtig, gut umgesetzt und direkt am Puls der Zeit, sodass Laura Steven hier definitiv einen Volltreffer gelandet hat. Ich bin gespannt, ob wir noch mehr von der coolen Izzy O’Neill lesen werden. Mit BITCHES BITE BACK hat mich Laura Steven jedenfalls überzeugt.

Insgesamt
4.4
  • Story & Umsetzung
  • Charaktere
  • Schreibstil
  • Spannung

 
Bibliografie
Droemer Knaur Verlag – ET: November 2021 – 336 Seiten – Band 2 – Klappenbroschur – 14,99 EUR
Originaltitel: A girl called shameless – übersetzt von Henriette Zeltner Shane

Izzy O’Neill Reihe
Band 1: Speak up
Band 2: Bitches bite back

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